Treffen der deutschen Strassenfotografen in Nürnberg

Nach den tollen Berichten auf allen Plattformen über das Meet&Street 2022 in Hannover stand für mich eine Teilnahme in diesem Jahr definitiv fest. Also rechtzeitig Hotel gebucht, Lose erworben und Bilder gedruckt. Ready.
Nachdem ich Nina vom Soul of Street Team bei einem gemeinsamen Photowalk kennengelernt hatte und wir uns ausführlich über das bevorstehende Meet&Street ausgetauscht hatten, erhielt ich plötzlich unerwartet die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, einen kleinen Bericht für das Magazin aus Sicht eines erstmaligen Teilnehmers zu verfassen. Bevor mir eigentlich klar wurde, was das heißt, hatte ich mit „Ja klar, mach ich!“ geantwortet. Gut überrumpelt. Aber natürlich freute ich mich total darüber.
Am Vortag der Anreise ploppte in meinem Podcast-Player unerwartet eine neue Folge des Unposed Podcasts auf (wer ihn nicht kennt... klare Empfehlung... reinhören!). Moment mal, das macht doch Wolfgang vom Nürnberger Kollektiv. Also direkt mal reingehört. Zusammen mit Samuel wurde der geplante Ablauf der Veranstaltung mit so viel Enthusiasmus vorgestellt, dass die ohnehin große Vorfreude nochmalig gesteigert wurde. Und so begann mein erstes Meet&Street gedanklich schon einen Tag früher als geplant. Eine mega Idee und ein richtig toller Einstieg!
In der sowieso lebendigen WhatsApp- Gruppe zum Meet&Street posteten am Freitag die Anreisenden fleißig Selfies aus allen Ecken der Republik. So wurde man zwar von der Anzahl der Nachrichten fast erschlagen, aber die rege Teilnahme sorgte bei mir für richtig gute Laune. So langsam konnte man erahnen, wie groß das Event werden würde. Außerdem konnte ich schon einmal das ein oder andere Gesicht mit Namen abspeichern.
Um 14:30 Uhr ging es mit einem ersten Treffen im „Bruderherz“ los. Ankommen, Namensschild ausfüllen (dessen Rückseite dankenswerter Weise das üppige Programm enthielt; konnte ich häufiger sehr gut gebrauchen, im Alter wird das Gedächtnis ja nicht besser), hinsetzen. Nach gefühlten fünf Minuten und dem ersten Radler kannte ich drei neue Straßenfotografierende und von zwei weiteren endlich das Gesicht zum jeweiligen Instagram-Account.
Apropos Instagram: Sätze wie „Ach du bist das!“, „Schön, dich endlich mal persönlich kennenzulernen.“ oder ähnliches zogen sich wie ein roter Faden durch das Wochenende. Das zeigte mir: Auch wenn es klasse ist, im
Internet Bilder zu präsentieren und sich per Nachrichten auszutauschen, so ist die persönliche Begegnung einfach eine andere Nummer. Umso großartiger war natürlich, dass sich an dem Wochenende knapp 200 Fotografierende aus ganz Deutschland (und mindestens einem Österreicher, den ich getroffen hatte,) an einem Ort versammelten.
Der Nachmittag verging entspannt mit weiteren neuen Namen, Gesichtern und netten Gesprächen. Irgendwann zerstreute sich die gesellige Runde vorläufig in alle Richtungen, doch beim anschließenden Bummel durch Nürnberg traf man regelmäßig neue oder mittlerweile bekannte Fotografierende.
Treffen um 18:00 Uhr am Klarissenplatz. Es ging gemeinsam zur Bahn, und ich verfiel ganz kurz in den Bahn-Panikmodus, aber auch das hatte das Nürnberger Kollektiv natürlich vorbereitet. Zielsicher fing Sebahat schnell alle Suchenden ein, managte den Fahrkartenkauf und schon ging es in der zweiten Gruppe ab zur Finissage.
Mit knapp achtzig Bildern präsentierte das Nürnberg Unposed Collective hier in eine tolle, großformatige Auswahl ihrer Arbeiten. Für mich war neben der Vielzahl an interessanten Aufnahmen vor allem die Verschiedenartigkeit der gezeigten Stile sehr inspirierend. Es machte direkt Lust, das ein oder andere am Samstag auszuprobieren.
Im Anschluss an den offiziellen Teil bestand die Möglichkeit, für einen schmalen Taler ein Magazin mit allen ausgestellten Bildern zu erwerben, welches natürlich unverzüglich auch den Weg in meinen Rucksack fand.
Und schon ging es zur Stärkung in den Biergarten um die Ecke. Die meisten blätterten im Ausstellungsmagazin, und es wurde fleißig gefachsimpelt.
Das „Gemeinschaftshaus Langwasser“, welches die großartigen Räumlichkeiten für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte, gestaltete die Öffnungszeit sehr großzügig. So konnte ich in aller Ruhe und ohne Andrang die Arbeiten noch ein zweites Mal ansehen. Auch Spätanreisende hatten die Gelegenheit, die Ausstellung noch zu besuchen.
Auf dem späten Heimweg starteten wir spontan mit einigen weiteren Besuchern noch einen kleinen Photowalk durch die U-Bahn. Hier merkt man mal wieder, dass Streetfotografie verbindet. Obwohl wir uns bis vor Kurzem noch gar nicht kannten, „schnappte“ niemand dem anderen das Motiv weg, man zeigte sich gegenseitig die gemachten Bilder und freute sich gemeinsam, wenn ein toller Moment abgelichtet wurde. Selbst die Bahnbediensteten machten den Spaß mit und fragten, was denn ein Bild kosten würde. So war die gute Stimmung natürlich garantiert.
Am Samstag um 11:00 Uhr war der Klarissenplatz dann fest in der Hand der Teilnehmenden des Meet&Street 2023, darunter auch die/der ein:e oder andere bekannte Namenstragende. Nach der offiziellen Begrüßung galt es, ein Gruppenfoto zu machen. Gar nicht so einfach bei der Masse. Doch auch das Bild war irgendwann im Kasten, und wir konnten in Gruppen die Stadt fotografisch erkunden.
Eigentlich hatte ich vorher gar nicht damit gerechnet, wirklich zu fotografieren. Und zugegebener Maßen habe ich mich unterwegs auch deutlich mehr unterhalten, denn mich fokussiert auf Motivsuche zu begeben. Doch Nürnberg überraschte mich mit seinem Potenzial, sodass ich schließlich doch ein paar gute Bilder mit heimbringen und den Plan fassen konnte, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wiederzukommen.
In der Stadt verteilten sich die Gruppen überraschend gut, allerdings war die ein oder andere Nürnberger Person etwas verwundert, so oft fotografiert zu werden.
Zur Mittagszeit gab es einen Zwischenstopp in der „Brotzeit“, wo wir Flüssigkeit auftankten (das war bitter nötig, denn es war so richtig, richtig heiß!) und uns lange und angeregt über das Drucken von Fotos austauschten. Die Profis plauderten ein wenig aus dem Nähkästchen, so bleibt mir in Zukunft vielleicht der ein oder andere Fallstrick erspart.
Frei nach dem Motto „nützt ja nix“ rafften wir uns trotz Hitze noch einmal zu einer zweiten Runde durch die Stadt auf, um das ein oder andere Foto einzusammeln, den Blick von der Kaiserburg über die Stadt schweifen zu lassen und schließlich in einem der vielen Biergärten zu einem Kaltgetränk einzukehren. Jetzt weiß ich, was „drei im Weggla“ sind. Ich würde sagen: schmeckt!

Ab 17:00 Uhr begann der Run auf den Aufbau der Open Gallery am Künstlerhaus. Jede:r Teilnehmende durfte drei Bilder mitbringen, die gegen eine Spende zu Gunsten des Straßenkreuzer e.V. von Passanten erworben werden konnten. Es kamen wirklich viele dem Aufruf nach, sodass die Front des Hauses restlos mit den wirklich herausragenden Arbeiten der Teilnehmenden gepflastert war und einige sogar auf die Seite des Gebäudes ausweichen mussten.
Bis zur Tombola im Biergarten „Dein Quartier“ hatten zwei meiner Bilder Abnehmer:innen gefunden. Leider hatte ich in dem Getümmel nicht mitbekommen, wer sie sich ausgesucht hatte.
Ein gemütliches Ausklingen bei tollen Gesprächen bis zur letzten Runde des Biergartens bildete den krönenden Abschluss. Nach zwei vollen Tagen ging es nun müde, aber zufrieden ins Hotel zurück.
Der Heimweg führte noch einmal an der Open Gallery vorbei, die sich mittlerweile deutlich gelichtet hatte. Just in dem Moment sah ich, wie eine Dame mein drittes Bild von der Wand nahm. Ich hatte sogar die Gelegenheit, mich kurz mit ihr auszutauschen. In meinen Augen der perfekte Abschluss eines grandiosen Wochenendes.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich im Vorfeld gar nicht so genau wusste, was mich auf meinem ersten Meet&Street erwarten würde, doch ich wurde auf ganzer Linie positiv überrascht. Neben der Finissage im Gemeinschaftshaus Langwasser und der Open Gallery am Künstlerhaus waren die vielen neuen Bekanntschaften die echten Highlights des Wochenendes. Auch die Anreise am Vortag hat sich definitiv gelohnt.
Vielen, vielen Dank an das gesamte Nürnberg Unposed Collective für die perfekte Organisation und eure Gastfreundschaft. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung 2024 in Hamburg!​​​​​​​
Der Artikel ist auch in der Soul of Street Ne. 48 abgedruckt.

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